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Sänger

Auch Minnesänger, Meistersänger, Opernsänger, Volkssänger.

Die Ausbildung von Knaben zum Chorsänger erfolgte schon im 5. Jahrhundert an den Schulen von Kirchen und Fürstenhöfen. Im 12. Jahrhundert begannen die dem Ritterstand angehörenden Minnesänger, von Hof zu Hof zu ziehen. Sie haben Lieder vorgetragen, die von Liebe, ritterlichem Heldenmut und Tugend handelten. Die Begleitung erfolgte auf Drehleier, Fiedel, Harfe oder Laute.

Im Rahmen der höfischen Bildung wurde den Ritterssöhnen durch ihre Erzieher, also Pfarrer und Musikanten, die Kunst des Gesanges vermittelt.

Der Meistergesang wurde vom 14. bis 17. Jahrhundert ausschließlich in Handwerkerkreisen gepflegt. Es handelte sich um pedantische Bräuche mit genauen Singregeln.

Seit dem 15. Jahrhundert zogen Sänger und Musikantengruppen durch das Land und unterhielten das Volk mit einfachen Liedern und Balladen. Die gängigsten Weisen wurden schnell zu Volksliedern, die jeder singen konnte.

1627 wurde erstmals in Torgau eine Oper nach italienischem Vorbild aufgeführt. Das erste Opernhaus wurde 1678 in Hamburg gegründet. Anfang wurden die hohen Stimmen von Knaben gesungen. Um 1750 verschwanden die Kastraten von der Bühne, und das Publikum feierte bis in die 2. Hälfte des !8. Jahrhundert seine Primadonnen

Sattler

Auch Hammacher, Hammenmacher, Kummeder (Hersteller von Pferdegeschirr), Riemer, Senkler.

Die Sattler fertigten Sättel, die Riemer stellten Gurte und Riemen für das Zaumzeug her. Beide Berufe waren häufig vereint. Sattler waren auch für die Lederausstattung der Kutschen (Wagner) zuständig. Auch haben sie Koffer hergestellt und waren seit dem 17. Jahrhundert auch als Polsterer und Tapezierer tätig.

Um die Zahl der Meister zu begrenzen, durfte ein Meister erst wieder 3 Jahre nach dem Auslernen einen neuen Lehrling annehmen. Auch gingen aus dem Stand der Sattler die Beutler und Handschuhmacher hervor.

Sattler und Riemer stellten ihre Erzeugnisse meist im Auftrag vor Ort her. Sie zogen mit ihrem Handwerkszeug über Land, und größere Militäraufträge wurden im Handwerk aufgeteilt. Die nötigen Häute wurden vom Metzger und Abdecker bezogen. Anfangs gerbten die Sattler selbst, kauften dann aber auch von den Gerbern lohgares Rohleder.


Sarwerke

Auch Sarworte, Sarburcher.

Sie w aren Panzer- oder Harnischmacher. Es wurden aber auch sogenannte "Sarbalg" angefertigt. Diese allerdings aus Leder.
Sawoter = Rüstungsmacher
Sarworte = Verfertiger von Rüstungen, auch Höhöer genannt.
Sawürk = Ringpanzermacher

Sarwürker

Erfunden wurde die Kettenrüstung höchstwahrscheinlich von den Kelten spätestens im 2. Jahrhundert v. Chr., möglicherweise aber schon wenige hundert Jahre zuvor. Die Kettenrüstungen wurden meistens aus Eisenringen gefertigt, da Bronze für das Drahtziehen und Anfertigen von Ringen weniger geeignet war. Funde legen aber nahe, dass die Römer mitunter auch Bronzeringe verwendeten.

Im Gegensatz zur römischen Kettenrüstung bedeckte die Kettenrüstung des Mittelalters immer größere Teile des Körpers. Im 12. und 13. Jahrhundert wurde das Kettenhemd zu einer wichtigen Rüstungsform der Ritter. Es wurde seinerzeit infolge der Kreuzzüge vom Orient her nach Europa wieder eingeführt. Neben dem Kettenpanzer trug man Kettenhandschuhe, den Topfhelm und die Helmbrünne.

Eine komplette mittelalterliche Kettenrüstung, die einen Großteil des Körpers schützte, bestand meist aus über zehntausend Stahlringen, die ineinander vernietet wurden, um ein Aufplatzen der Ringe - etwa durch Pfeilschüsse - zu erschweren. Deshalb war es äußerst aufwändig, eine solche Rüstung herzustellen, was sich auch im Preis widerspiegelte. Eine Kettenrüstung konnte so viel kosten wie mehrere Dutzend Rinder, weshalb es sich zunächst nur wohlhabende Adlige - und manchmal auch Geistliche - leisten konnten, eine solche Rüstung zu erwerben. Die Hersteller von Kettenrüstungen wurden in Deutschland Panzermacher oder Sarwürker genannt. Die Panzermacher waren zunftgebunden. Vor allem das deutsche Reich galt als Hochburg dieses Handwerks in Europa.

Eine Kettenrüstung bot einen sehr guten Schutz vor Schnittverletzungen, aber gegen wuchtige Hiebe und kraftvolle Stiche half sie nur wenig. Deshalb wurde es im Hochmittelalter üblich, unter der Kettenrüstung eine Textilrüstung zu tragen, die man als Gambeson bezeichnete. Ohne eine solche Unterbekleidung wäre das Tragen einer Kettenrüstung relativ unangenehm gewesen. Außerdem erhöhte sich dadurch der Schutz, den eine Kettenrüstung vor Hieb- und Stichwaffen bot. Über der Kettenrüstung wurde ein Wappenrock (auch Waffenrock) getragen.

Nachteilig an einer Kettenrüstung war die Tatsache, dass ein Großteil ihres Gewichtes auf den Schultern des Trägers lastete. Diese Tatsache wurde dadurch ausgeglichen, dass man einen Gürtel um die Hüfte schlang, sodass einiges Gewicht auf den Beckenbereich abgeleitet wurde. Ausserdem bot sie auch in Verbindung mit einem Gambeson nur wenig Schutz gegen Lanzenstiche, Streitaxthiebe, Armbrustbolzen und Pfeile, die mit einem Langbogen abgefeuert wurden. Deshalb ging man ab der Mitte 13. Jahrhunderts dazu über, die Kettenrüstung nach und nach durch Metallplatten zu verstärken oder zu ersetzen. Diese Entwicklung war um das Jahr 1400 abgeschlossen und resultierte im Plattenpanzer (allerdings bietet auch ein Plattenpanzer keinen kompletten Schutz vor Armbrustbolzen oder Langbogen-Pfeilen).

Quelle für den Nachweis des Sarwerke: Wikipedia, die freie Enzyklopädie


Scharfrichter

Auch Freimann, Henker, Kasperer, Nachrichter, Schinder.

Wurde eine angeklagte Person für schuldig befunden, und der Richter hatte das Strafmass verkündet, begann der Büttel seine Arbeit, welche eher häufiger denn seltener durch Scharfrichter beendet wurde.

Wenn aber eine Leibesstrafe ausgesprochen wurde, begann der Nachrichter sein Werk. Er hatte die Aufgabe, Betrüger an den Pranger zu schließen, Dieben und Meineidigen eine Hand abzuhacken, Gotteslästerern die Zunge abzuschneiden, die Prügelstrafe zu vollziehen, Verbrecher auf's Rad zu flechten, zu vierteilen, der Hexerei überführte Personen zu ertränken oder auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen.

Der
Schinder zog Delinquenten bei lebendigem Leib die Haut ab.

Der
Scharfrichter führte Enthauptungen durch, und der Henker nahm Hinrichtungen mit dem Strang vor. Alle diese Strafen wurden zum Zwecke der Abschreckung öffentlich vollzogen.

Das grausame Handwerk des Nachrichters begann schon lange vor einer Verurteilung. Beim so genannten peinlichen Verhör eines Angeklagten wurden durch unterschiedliche Torturen mit entsprechenden Folterwerkzeugen Geständnisse erpresst. Dabei wurde nur darauf geachtet, dass der Angeklagte keine tödlichen Verletzungen erlitt. Auch wurden die Delinquenten nach der Tortur gepflegt, damit sie wieder zu Kräften kamen - um sie dann der nächsten Folterung auszusetzen. All dies erforderte neben anatomischen auch medizinische Kenntnisse.

Nachrichter haben als Mitglieder der unehrlichen Berufsstände meist nur unter ihresgleichen geheiratet und waren daher alle irgendwie miteinander verwandt. Obwohl sie in der Gemeinschaft gemieden wurden, suchte die Bevölkerung bei ihnen häufig medizinischen Rat (Kasperer). Sie stellten Wundsalben her und halfen oft bei Knochenbrüchen. Oft war ihr Amt mit dem des Wasenmeisters verbunden. Der Nachrichter wurde vom Landesherren ernannt, bezog aber kein festes Gehalt. Er rechnete mit den Städten und Gemeinden nach Taxordnung ab, wobei jede Strafe oder Tortur entsprechend entlohnt wurde. Im Gegensatz dazu erhielt der
Freimann beim Militär einen festen Sold.

Dieser Beruf erforderte eine angemessene Lehr- und Gesellenzeit. Das Meisterstück bestand in einer kunstgerechten Enthauptung oder Hinrichtung am Galgen. Im Falle des Misslingens hatte der Vollstrecker nicht nur mit dem Zorn der schaulustigen Menge, sondern auch mit empfindlichen Strafen durch die Behörden zu rechnen.


Schauspieler

Auch Gaukler, Kloterer, Komödiant, Schausteller.

Gaukler, Taschenspieler und Zauberkünstler setzten schon im Mittelalter ihr Publikum in Erstaunen. Dieses fahrende Volk gehörte zwar zu den weniger angesehenen Berufsgruppen, bot aber in Städten und Dörfern eine willkomene Abwechslung und Unterhaltung.

Seit dem 15. Jahrhundert wurden Fastnachtsspiele aufgeführt. Im 17. Jahrhundert zogen italienische und englische Wandertruppen durch deutsche Lande. Die erste Gruppe eines deutschen Berufstheaters begann ihren Wanderweg 1650 in Lüneburg. Von dieser Truppe lassen sich alle anderen ableiten. Nur wenige wurden durch einen Fürsten an sein Hoftheater, und damit in ein festes Ensemble, berufen.

Im 19. Jahrhundert ging die Zeit dieser Wandergruppen zu Ende, als die ersten Stadttheater gegründet wurden. Noch immer gehören die meisten Schaupieler zum fahrenden Volk, das im Bemühen um ein Engagement häufig von Theater zu Theater wechseln muss.


Schiffer

Auch Schiffmann.

Schiffe verkehrten auf Seen und Flüssen (Binnenschifffahrt), entlang der Meeresküsten (Küstenschifffahrt) und auf hoher See (Meeresschifffahrt). Der Schiffer (Kapitän) und seine Gehilfen (Schiffsjungen und Matrosen) transportierten Waren im Auftrag der Kaufleute. Diese waren bei der Hanse die Eigner / Reeder der Schiffe. Auch wurden Reisende gegen ein entsprechendes Entgelt befördert. Der älteste bekannte Zunftbrief wurde 1106 in Worms ausgestellt.

Die Einführung von Kompass und Seekarten im 14. Jahrhundert hat die Entwicklung der Schifffahrt auf See erheblich gefördert und wesentlich zum Erfolg der Hanse beigetragen.
Schleifer und Schwertfeger 

In alter Zeit schliffen die Schmiede die Klingen ihrer Schwerter selbst. Seit dem 12. Jahrhundert finden wir das Handwerk der Schwertfeger.

Die
Schleifer sassen oder standen am rundumlaufenden Schleifstein. Kleinere wurden mit einem Fussbrett, grössere durch Kurbeln angetrieben. Seit dem 14. Jahrhundert wurden Schleifsteine bis 2 Meter Durchmesser durch Wasserkraft angetrieben.

Messerklingen wurden trocken geschliffen (Rauchschleifen). Beim Schleifen von Schwertklingen gab ein über dem Schleifstein angebrachter Behälter tropfenweise Wasser ab (Nassschleifen).

Es war die Arbeit der Schwertfeger, die Oberfläche der bereits geschliffenen Klingen zu glätten. Dazu wurden die Klingen mit Steinen und einem Brei aus Öl und Schmirgel bestrichen und auf rotierenden Holzscheiben blank poliert. Dann wurden auf die Griffe montiert.






Schleifer

Zu den Erzeugnissen der Schleifergehörten Messer und Scheren für Bader und Barbiere, Sattler, Schneider und Schuster, Richtschwerter für Scharfrichter, Hirschfänger, Stosslanzen und Waidblätter für Jäger, Degen, Dolche, Säbel und Reitschwerter für Soldaten und einzelne Prunkwaffen für reiche Adelige und Fürsten.

Scherenschleifer zogen ihren Handkarren mit dem Tretschleifstein in regelmässigen Abständen über Land, um Messer und Scheren ihrer Kunden zu schleifen. Das ist vielfach in ländlichen Gegenden auch heute noch üblich. Nur sind mittlerweile Kleintransporter und motorgetriebene Schleifsteine im Gebrauch.

Schlosser

Auch Kleinschmied.

Die Arbeit der Schlosser war ursprünglich bei den Schmieden als Metallverarbeiter angesiedelt. Seit dem 14 Jahrhundert bildeten sie eigene Zünfte. Aus den überlieferten Handwerksordnungen sind strenge Aufnahmebedingungen bekannt: Abstammung von redlichen Eltern, ledig und unbescholten. Die Lehre dauerte 2 bis 6 Jahre, und es war eine ebenso lange Wanderzeit vor der Bewerbung um das Meisterrecht gefordert. Als Meisterstück wurde die Anfertigung eines oder mehrerer Schlösser gefordert. Die Arbeitszeit betrug bis zu 18 Stunden täglich. Lehrlinge und Gesellen lebten im Hause des Meisters.

 

Harnischmacher

Als Produkte der sogenannten Kleinschmiede finden sich: Tür-, Vorhänge-, Truhen- und Kassettenschlösser, Schlüssel, Beschläge und Türbänder, Türgiffe und Türklopfer. Rotglühende Werkstücke wurden mit dem Hammer auf dem Amboß geschmiedet. Bleche wurden mit dem Hammer oder im Gesenk getrieben. Beim Punzieren und Ziselieren wurden Muster mit einem stempelförmigen Meissel eingeschlagen. Die einzelnen Werkstücke wurden durch Nieten oder Löten miteinander verbunden.

Esse, Amboss und Schraubstock gehörten zur Ausrüstung einer Schlosserwerkstatt. Hammer, Meissel, Zange, Feile, Bohrer und Stempel waren unabdingbare Werkzeuge. Als Messinstrumente dienten Zirkel, Winkel, Schablonen und Zollstock.

Im 19. Jahrhundert verdrängten maschinell hergestellte Produkte die Handwerksarbeit. Nun zogen sich die Schlosser in die Bau- und Kunstschlosserei zurück.

Schmied

Auf dem Lande blieben die Schmiede Universalhandwerker, die wie die Hirten auch als Heilkundige und Tierärzte tätig waren. Hufbeschlag und Herstellung landwirtschaftlicher Geräte reichten nicht aus, die Familie zu ernähren, und so wurden auch alle möglichen Eisenwaren verkauft.
Schmiede wurden im wesentlichen in 5 Gruppen unterschieden: Hufschmied, Kupferschmied, Nagelschmied, Waffenschmied und Zeugschmied.

Schneider

Auch Kolzenmacher (Hosenschneider), Schrader.

Ursprünglich wurden sämtliche Kleidungsstücke der Familie durch die Hausfrau gefertigt, die ihre heranwachsenden Töchter im Nähen und Zuschneiden unterwies. Auch Mönche stellten ihre einfachen Kutten selbst her. Im 12. Jahrhundert kamen vielfältigere Formen der Kleidung auf, und es entstand der Beruf des Schneiders. Je nach Mode und individueller Grösse wurde das vom Kunden in Auftrag gegebene Kleidungsstück zugeschnitten und aus dieser Tätigkeit die Berufsbezeichnung abgeleitet.

Der Beruf wurde vorwiegend von Männern ausgeübt. Frauen und Töchter von Schneidermeistern haben oft als Näherin, Flickerin und Büglerin mitgewirkt. Das Zuschneiden der Stoffe war ihnen untersagt, ebenso den Lehrlingen und Gesellen. Weißnäherinnen als Hersteller von Bett- und Tischwäsche wurden nicht dem Schneiderhandwerk zugerechnet.

Ein Meister durfte maximal 4 Lehrlinge und Gesellen beschäftigen. Die Gesellen unternahmen keine weiten Wanderungen und suchten sich einen Meister in der näheren Umgebung, wo sie gegen Kost und Logie beschäftigt wurden. Lehr- und Gesellenzeit dauerten insgesamt 4 bis 6 Jahre, und dann konnte das Meisterstück abgelegt werden.

Der
Schneider benötigte wenig Werkzeug, um seinen Beruf auszuüben. Die Zuschneideschere finden wir seit dem 14. Jahrhundert als Scharnierschere im Wappen als Symbol des Handwerks. Nadeln verschiedener Größe bezog er vom Nadler, Fingerhüte vom Gürtler, und Bügeleisen vom Zeugschmied. Um den Mittelfinger der Hand zu schützen, wenn die Nadel durch den kräftigen Stoff gestoßen wurde, fand ein aufgesteckter Fingerring Verwendung. Das Gewicht der verwendeten Bügeleisen betrug 10 bis 15 Kilogramm. Es gab Volleisen, die man im Bügelofen erhitzte, und Hohleisen, die mit glühenden Bolzen oder Jolzkohle gefüllt wurden. Mit Schnüren oder Papierstreifen wurden die Kundenmaße abgenommen, und danach der Stoff auf dem Schneidertisch zugeschnitten. Nun hockte sich der Schneider im typischen Schneidersitz auf den Tisch, um die Einzelteile mit Leinen- und Wollfäden, später auch mit Zwirn aus Baumwolle oder Seide, zu vernähen.

Den Schneidern waren der Handel mit Rohstoffen und eine Vorratsproduktion untersagt. So mussten die Stoffe vom Kunden zur Verfügung gestellt oder vom Tuchscherer bezogen werden.

Von wenigen Meistern mit guter Kundschaft abgesehen, war das arme Schneiderlein oft zutreffend. Auf den Land wurden einfache Arbeitshosen auch von Bauern im Nebenerwerb und Kolzenmachern hergestellt. Duch das Verlagssystem mit Konfektionsware gerieten die Schneider in die Abhängigkeit kapitalkräftiger Händler und Fabrikanten. 1860 wurde die Nähmaschine erfunden, und gedruckte Schnittmuster machen es möglich, dass die Schneiderei als Hobby ausgeführt werden kann. Maschinen für den Zuschnitt und das Nähen der Knopflöcher führten zu einer weitgehenden Verdrängung des Handwerkes. So finden wir heute nur noch wenige kleine Betriebe, die teure Maßbekleidung anfertigen oder einfache Änderungen und Reparaturen ausführen.

Schultheiss

Auch Schulte, Schulze, Scultetus

Der Schultheiss war ursprünglich verpflichtet, die Gemeinde zur Leistung ihrer Schuld gegenüber dem Landesherren anzuhalten. Er übte das Amt des Richters aus, wobei ihm Geschworene zur Seite standen. Innerhalb der hohen Gerichtsbarkeit hatte er über Leben und Tod eines Angeklagten zu entscheiden.

Später war der
Stadtschultheiss oder Dorfschulze nur noch mit der niederen Gerichtsbarkeit betraut. Hierbei waren die Nutzung von Feld und Wald sowie des Zusammenlebens zu verhandeln. In der Stadt wurde der Vorsteher von den Einwohnern gewählt, musste aber von der Obrigkeit bestätigt werden. Auf dem Land konnte das Amt innerhalb der Familie vererbt werden, und war oft mit dem Besitz eines Schultengutes oder Schulzenlehens verbunden. Heute entspricht die Funktion des Bürgermeisters dem alten Amt des Schultheiss.

Im späten Mittelalter war der Amtmann mit der Verwaltung eines grösseren Amtes (Bezirk) beauftragt und hatte die Gerichtsbarkeit wahrzunehmen. Auch der Vogt als Beamter und Hochrichter adeliger oder geistlicher Herrschaften hatte ähnliche hoheitliche Aufgaben für ein bestimmtes Territorium.

Schuster

Auch Sauter, Schuhmacher.

Für Flickschuster auch Altbuzer, Altmacher, Altreißer, Altreuser, Bletzer, Reseler, Schuhplätzer.

Bis ins 18. Jahrhundert gehörte die Herstellung von lohgarem Leder zur Arbeit des Schuhmachers. Zunftbriefe sind von 1128 aus Würzburg und 1158 aus Magdeburg bekannt.

Seit dem 16. Jahrhundert war nach 2 bis 3 Lehrjahren eine dreijährige Gesellenzeit mit Wanderschaft vorgeschrieben. Danach folgte eine Ersitzzeit bei 1 oder 2 Meistern, bis die Meisterprüfung abgelegt werden durfte. In manchen Städten musste Hausbesitz nachgewiesen werden. In Breslau hatte jeder Meister Eigentum an der Schumacherbänke. Schmale Grundstücke verfügten über ein Haus mit einer Werkstatt im Erdgeschoss und kleinen Lagerräumen im Keller. Lehrlinge und Gesellen wohnten im Haus des Meisters.

Die Schuhherstellung erfolgte bis zum 18. Jahrhundert nahezu unverändert. Über einem Leisten (Modell für Schuhe oder Stiefel) wurde das zugeschnittene Leder mit dem Schusterhammer geschlagen. Zuvor wurde die Größe des Fusses abgenommen. So wie beim Sattler wurde das Leder in einen Nähkloben eingespannt, und nach dem Zusammennähen von Vorder- und Hinterteil wurde das Futter eingezogen und die Brandsohle angeheftet. Zum Schluss war noch der Absatz an der Sohle zu befestigen.

Um 1850 wurde die Nähmaschine eingeführt, etwa 1870 begann die Fabrikproduktion von Schuhen. Der
Schuhmacher wurde zum Flickschuster, da immer mehr Käufer in Schuhgeschäfte abwanderten. Nur die orthopädische Schuhmacherei blieb nach 1930 als spezieller Berufszweig erhalten.

Seidensticker

Schon 4000 vor Christus war den Chinesen Seide bekannt. Im 8. Jahrhundert gelangte Seide durch die Araber nach Spanien und weiter nach Italien. Bereits im 10. Jahrhundert wurde Seide in Mainz, und bald darauf in Augsburg, verwebt.

Nur Angehörige von Adel und Klerus waren in der Lage, die teuren Seidenstoffe zu erwerben. Oft wurde der Stoff mit Goldfäden und Perlen bestickt oder mit Juwelen besetzt. Diese hoch spezialisierten Handwerker waren nur in grossen Städten zu finden. Frauen halfen ihren Männern bei der Arbeit oder übten das Handwerk selbständig aus. Stoffe, Gewänder und Besatz wurden auf Grund der hohen Kosten von den Auftraggebern bereitgestellt.


Seifensieder

Das Handwerk bildete sich im Spätmittelalter heraus und wurde ursprünglich als häusliche Tätigkeit ausgeübt. Wie die Häuser der Kerzenmacher lagen die Betriebe meist am Stadtrand. Seifensieder und Lichterzieher verschmolzen zu einem Berufsstand.
Seife als Luxusartikel wurde aus dem Mittelmeerraum importiert. Die heimischen
Seifensieder stellten einfache Gebrauchsartikel her: Flüssige Schmierseife und feste Kernseife. Hierzu wurde Rindertalg mit Pottasche versetzt und mit Natronsalz gehärtet. Im häuslichen Bereich wurde Seife zur Körperreinigung und als Waschmittel benutzt, im Gewerbe fand sie als Walkmittel oder beim Bleichen Verwendung.

Es war mehr Talg vorhanden, als Seife verkauft werden konnte. So zogen die
Seifensieder aus ihren Schmelzkesseln auch Talglichter und traten damit in Konkurrenz zu den Metzgern. Mit der Einführung von Gas und Elektrizität fand das Handwerk der Seifensieder und Lichterzieher sein Ende.

Seiler

Auch Gordeler, Kabldreher, Kurdelmacher, Reeper, Reepschläger, Reifer.

Reepschläger sind seit 1261 in Bremen, 1265 Hamburg und 1282 Stralsund belegt. Sie haben in Küstennähe schwere Seile für die Schiffahrt angefertigt, ähnlich der Tätigkeit des Kabeldrehers. Die Wanderpflicht für die Gesellen wurde im 18. Jahrhundert abgeschafft, beispielsweise 1738 in Bremen.

Seiler werden 1150 in Köln erwähnt, Zünfte entstanden 1426 in München und 1514 in Leipzig. Ihre Produkte finden sich als dünnes Seilwerk in der Fischerei, im Bauhandwerk und in der Landwirtschaft. Bis zum Spätmittelalter finden wir auch Bauern, die im Nebenerwerb das Handwerk des Seilers betrieben. Seile wurden aus Flachs oder Hanf gefertigt. Das Rohmaterial wurde auf dem Schwingbock behandelt, und anschließend erst durch grobe, dann immer feinere Hecheln gezogen. Dabei entstanden langfaseriger Kernhanf und mittellanger Hanf, der auf dem Seilerrad versponnen wurde. Das erfolgte beim Rückwärtsgehen des Seilers aus der Werkstatt, wobei die Reeperbahnen bis zu 300 Meter lang waren. Seilerbahnen fielen mit etwa 50 Meter Länge deutlich kürzer aus. Eine Schnur besteht aus mindestens 2 Fäden, ein Seil aus mindestens 2 Schnüren, ein Tau aus 4 Schnüren mit je 16 bis 50 Fäden. Kurze Seile bis 2 Meter Länge wurden als Stricke bezeichnet.

Nach 1860 wurde das Seilerrad durch die Spinnmaschine abgelöst. Produkte aus Hanf wurden durch Ketten und Drahtseile ersetzt, und den
Seilern blieb nur noch die Herstellung kurzer Längen, da deren maschinelle Herstellung unrentabel war.

Als Download eine sehr gute Abhandlung über den Seiler von Wolfgang Weber
Lenzburg/Schweiz. Vielen Dank für die Genehmigung und Unterstützung.

Siebmacher

Auch
Sieber.

Auf dem Lande wurden Siebe von Bauern im Nebenerwerb hergestellt. Kupferschmiede fertigten ihre Siebe völlig aus Metall. Siebmacher fertigten ihre Rahmen meist aus dünnem Holz. Das eigentliche Sieb wurde aus Holzspänen, oder wie beim Korbflechter aus dünnen Weidenruten hergestellt.

Steinmetz

Vor allem Kirchen und Klöster wurden aus Stein erbaut, und im 14. Jahrhundert erreichte das Steinmetzhandwerk seinen Höhepunkt. Die Wölbetechnik erforderte eine fachgerechte Bearbeitung und das spezielle Wissen des Baumeisters.


Ein Kirchenbau dauerte viele Jahre oder Jahrzehnte. Planung, Organisation und Abrechnung, die Anstellung von Arbeitskräften und auch die Beschaffung des Baumaterials lag in den Händen Bauhütten.

Seit dem 14. Jahrhundert bestanden Zünfte, in denen auch die Maurer organisiert waren.


Steinmetz

 

Erste Steinmetzbruderschaften sind 1459 in Regensburg und 1462 in Torgau bekannt. In der Bauhütte genügte die Fürprache von 2 Meistern, um nach 5 Lehrjahren oder langjähriger Erfahrung Meister zu werden. In den Zünften musste nach 3 Lehrjahren eine Meisterprüfung abgelegt werden. Auch musste der Geselle seine Kenntnisse durch die Vorlage von Zeichnungen und Modellen nachweisen. Vorrangig wurde Sandstein bearbeitet, der mittels Schiff und Karren zur Baustelle gebracht wurde. Die Werkstücke wurden mit Messlatte, Reissnagel, Steckzirkel und Winkel vermessen. Für die mehrfache Herstellung gleicher Teile fanden hölzerne Schablonen Verwendung. Seit dem 3. Jahrhundert vor Christus wurden die Steinblöcke mit dem Flaschenzug gehoben. Später kamen einfache Kräne in Gebrauch, die durch Seilwinden und Treträder angetrieben wurden.
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